close
Sehenswürdigkeiten

5 bulgarische Musikinstrumente, die du kennen solltest

Bulgarische Musik ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus orientalischen, byzantinischen und slawischen Einflüssen. Die traditionellen Musikinstrumente sind das Herzstück dieser einzigartigen Klangwelt und werden seit Jahrhunderten bei Festen, Hochzeiten und Volkstänzen gespielt. Wer bulgarische Folklore hört, begegnet unweigerlich diesen fünf charakteristischen Instrumenten:

1. Gadulka – die dreisaitige Kniegeige

Die Gadulka (Гъдулка) ist eines der ältesten und klangvollsten Instrumente der bulgarischen Musik. Es handelt sich um ein Streichinstrument, das man aufrecht auf dem Knie hält und mit einem Bogen spielt – ähnlich wie eine Geige, aber mit einem ganz eigenen Charakter.

Aufbau:

Die Gadulka hat drei Hauptsaiten und bis zu zehn Resonanzsaiten, die nicht gespielt, sondern nur mitschwingen. Diese Resonanzsaiten geben der Gadulka ihren charakteristischen, warmen und leicht vibrierenden Klang.

Der Korpus ist birnenförmig und meist aus einem Stück Holz geschnitzt. Traditionell wurden als Resonanzsaiten dünne Metalldrähte oder Tiersehnen verwendet.

Klang und Verwendung:

Der Klang der Gadulka ist melancholisch, ausdrucksstark und emotional – perfekt für die lyrischen und oft wehmütigen Melodien der bulgarischen Folklore. Sie wird häufig solo gespielt oder begleitet Gesang und Tanz.

In den Rhodopen, einem Gebirge im Süden Bulgariens, ist die Gadulka besonders verbreitet. Dort wird sie bei Hochzeiten, Festen und traditionellen Versammlungen gespielt.

Besonderheit:

Das Spielen der Gadulka erfordert viel Geschick, da die Saiten nicht mit den Fingern auf ein Griffbrett gedrückt werden, sondern seitlich berührt werden. Dadurch entsteht ein ganz spezieller, gleitender Klang.

2. Kaval – die Hirtenflöte

Der Kaval (Кавал) ist eine lange, zylindrische Hirtenflöte ohne Klappenmechanismus. Sie gehört zu den ältesten Blasinstrumenten auf dem Balkan und wird seit Jahrhunderten von Schafhirten in den Bergen gespielt.

Aufbau:

Der Kaval ist etwa 60 bis 90 Zentimeter lang und hat acht Löcher – sieben auf der Vorderseite und eines auf der Rückseite. Er besteht meist aus Holz, traditionell aus Pflaume, Aprikose oder Buchsbaum.

Anders als bei einer westlichen Querflöte wird der Kaval nicht mit einem Mundstück gespielt, sondern durch direktes Anblasen am oberen Ende – ähnlich wie bei einer Panflöte.

Klang und Verwendung:

Der Klang des Kaval ist weich, luftig und vogelähnlich. Er erinnert an den Wind, der durch die Berge weht, und hat eine fast meditative Qualität. Der Kaval wird sowohl solo als auch in Ensembles gespielt und ist ein fester Bestandteil der bulgarischen Hochzeitsmusik und der Folkloreorchester.

Früher wurde der Kaval von Hirten gespielt, um die Zeit zu vertreiben oder um mit anderen Hirten in den Bergen zu kommunizieren. Heute ist er ein Symbol der bulgarischen Folklore.

Besonderheit:

Der Kaval kann sowohl sanfte, melodische Töne als auch schnelle, ornamentierte Läufe erzeugen. Gute Kaval-Spieler beherrschen eine Technik namens ‚double-tonguing‘, bei der sie schnelle rhythmische Effekte erzeugen.

3. Gaida – der bulgarische Dudelsack

Die Gaida (Гайда) ist der bulgarische Dudelsack und eines der lautesten und markantesten Instrumente der Balkanmusik. Sie wird vor allem bei Festen, Hochzeiten und Tanzveranstaltungen gespielt und ist eng mit der Volkstradition verbunden.

Aufbau:

Die Gaida besteht aus einem Luftsack aus Ziegenleder, einer Melodiepfeife (Gaidunitsa) und einer oder mehreren Bordunpfeifen, die einen konstanten Basston erzeugen. Der Spieler bläst Luft in den Sack und drückt diesen mit dem Arm zusammen, um den Luftstrom zu kontrollieren.

Es gibt zwei Haupttypen der Gaida: die ‚Djura Gaida‘ (aus Thrakien, größer und tiefer) und die ‚Kaba Gaida‘ (aus den Rhodopen, kleiner und höher im Ton).

Klang und Verwendung:

Der Klang der Gaida ist durchdringend, kraftvoll und intensiv – perfekt für Tanzmusik. Sie wird oft bei traditionellen Horo-Tänzen (bulgarische Kreistänze) gespielt und bringt die Menge in Bewegung.

Die Gaida ist auch ein wichtiges Instrument bei den Kukeri-Ritualen, bei denen maskierte Tänzer böse Geister vertreiben.

Besonderheit:

Die Gaida wird oft zusammen mit der Tapan (Trommel) gespielt, was eine explosive rhythmische Kombination ergibt. Diese Paarung ist typisch für bulgarische Hochzeiten und Dorffeste.

4. Tapan – die große Basstrommel

Die Tapan (Тъпан) ist eine große, doppelseitige Trommel, die den rhythmischen Herzschlag der bulgarischen Folklore bildet. Sie ist unverzichtbar bei Festen, Prozessionen und Tanzveranstaltungen.

Aufbau:

Die Tapan hat einen zylindrischen Holzrahmen, der auf beiden Seiten mit Tierhaut bespannt ist. Sie wird mit zwei verschiedenen Schlägeln gespielt: einem dicken, gepolsterten Schlägel (Tokmak) für tiefe Basstöne und einem dünnen, biegsamen Stock (Chepik) für scharfe, klickende Schläge.

Der Durchmesser der Tapan liegt meist zwischen 40 und 70 Zentimetern, und sie wird um die Schulter gehängt getragen.

Klang und Verwendung:

Die Tapan erzeugt tiefe, dröhnende Bässe und scharfe, perkussive Akzente. Diese Kombination macht sie ideal für komplexe Rhythmen, die typisch für die bulgarische Musik sind – oft in ungeraden Taktarten wie 7/8, 9/8 oder 11/8.

Die Tapan wird oft zusammen mit der Gaida gespielt und bildet das rhythmische Rückgrat von Tanzmusik, Prozessionen und rituellen Festen.

Besonderheit:

Tapan-Spieler sind oft auch talentierte Tänzer, da sie während des Spielens tanzen und sich bewegen. Bei traditionellen Festen ist es ein spektakulärer Anblick, wenn der Tapan-Spieler mit seiner schweren Trommel durch die Menge wirbelt.

5. Tambura – das Lauteninstrument

Die Tambura (Тамбура) ist ein gezupftes Lauteninstrument mit langem Hals und birnenförmigem Korpus. Sie ist verwandt mit der türkischen Saz und der griechischen Bouzouki und zeigt den orientalischen Einfluss in der bulgarischen Musik.

Aufbau:

Die Tambura hat meist vier Doppelsaiten (insgesamt acht Saiten), die in Paaren gestimmt sind. Sie wird mit einem Plektrum gezupft und hat einen resonanten, silbrigen Klang.

Der Korpus ist oft kunstvoll verziert, und die Tambura wird sowohl in der Folklore als auch in der modernen bulgarischen Popmusik verwendet.

Klang und Verwendung:

Die Tambura erzeugt einen hellen, klirrenden Klang, der gut zu Gesang passt. Sie wird oft als Begleitinstrument verwendet, kann aber auch melodische Soli spielen.

In der bulgarischen Volksmusik wird die Tambura häufig in kleineren Ensembles gespielt, zusammen mit Kaval, Gadulka oder Gesang.

Besonderheit:

Die Tambura ist besonders in Südostbulgarien verbreitet, wo sie bei Hochzeiten und Festen eine wichtige Rolle spielt. Ihre orientalischen Klänge erinnern an die historischen Verbindungen Bulgariens zum Osmanischen Reich.

Musik als lebendige Tradition

Diese fünf Instrumente sind das Herzstück der bulgarischen Folklore und erzählen Geschichten von Hirten in den Bergen, von Hochzeiten in Dörfern, von Ritualen und Festen. Jedes Instrument hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Geschichte und seine eigene Rolle in der Musikkultur Bulgariens.

Wer nach Bulgarien reist, sollte unbedingt eine Live-Aufführung traditioneller Musik erleben – sei es bei einem Dorffest, in einem Folkloreensemble oder auf einem der vielen Musikfestivals. Der Klang von Gaida, Kaval und Tapan ist unvergleichlich und vermittelt die Seele dieses faszinierenden Landes.

Und wer weiß – vielleicht inspiriert dich die bulgarische Musik sogar dazu, selbst eines dieser wunderbaren Instrumente zu lernen!

Jetzt zum Newsletter abonnieren!

Leave a Response