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Für mich ist der 24. Dezember etwas ganz Besonderes. An Heiligabend kommen alle zusamen. Unsere ganze Familie trifft sich bei Oma und Opa in Berende, ein verschlafenes Dörfchen, in dem derzeit nur noch 10 Leute wohnen. Vor ein paar Jahren waren es um die 350. In Berende ist alles noch wie an­no da­zumal, die Straßen sind katastrophal, es gibt nur eine Dorfkneipe (= Laden), so gut wie keine Infrastruktur und noch dazu kommt nach dem Dorf nichts mehr außer Wälder und Berge. Wirklich idyllisch und zum Abschalten:-)

24.12 Heiligabend

Gleich früh am Morgen beginnt man mit der Vorbereitung für das Abendessen. Die ganze Familie arbeitet mit und jeder hilft, wo er nur kann. Für mich ist das höchste, dass wir alle ZUSAMMEN den Abend verbringen. Es macht einfach Spaß abseits von Handys und Stress mit der Familie etwas zusammen zu unternehmen und voll und ganz bei der Sache dabei zu sein, eben offline.

Das Essen

In Bulgarien isst man am 24. Dezember  kein Fleisch und keine tierischen Produkte. Am Tisch muss es 7, 9 oder 11 vegane Speisen geben, unter denen in der Regel Oshaf (trockene Früchte, die im Wasser gekocht wurden), Sarmi (mit Reis gefüllte Kohlblätter ohne Hackfleisch), Bohnensuppe, Baniza mit Kürbis (mit Kürbis gefüllte Teigblätter), gekochter Weizen, Knoblauchpaste mit Walnüssen, Baklava und selbstgebackenes Brot zu finden sind. Trotz der fleischlosen Kost, freue ich mich immer riesig auf die Speisen, sie schmecken echt traumhaft. Wir trinken als Aperitif warmen, selbstgebrannten Schnaps mit Honig:-)

Tradition

Wie es die Tradition am Heiligabend verlangt, zündet das älteste Mitglied der Familie (also mein Opa) das Feuer im offenen Kamin an. Die ganze Familie isst dann zusammen zu Abend. Als erstes verteilt mein Opa an jeden ein Stückchen Brot. Das Besondere an dem selbstgebackenen Brot ist, dass man aufpassen muss, wie man es isst. Während dem Kneten des Teiges werden traditionsgemäß unterschiedliche Dinge untergemischt: Holz (= Gesundheit), Münze (= Reichtum), Bohne (= den Tieren am Hof wird es gut gehen… ok, ich weiß – nicht zeitgemäß) und ein Knopf (= eines der Kinder wird Näherin werden…), usw. Natürlich ist jeder voller Hoffnung, die Münze zu finden. Der Abend verläuft dann ziemlich ruhig und der Tisch wird am Heiligabend nicht abgeräumt.

Fasten und der Tag danach

Die bulgarisch-orthodoxen Christen fangen 40 Tage vor dem 24. Dezember zu Fasten an. Das bedeutet 40 Tage vegane Ernährung. Unsere Familie fastet nur am Heiligabend und isst dann am 25.12. köstliche Fleischspieße – das Fleisch kommt übrigens aus eigener Produktion vom Bauernhof meiner Großeltern. Baniza mit Schafskäse und Eierspeisen werden an diesem Tag auch gerne gegessen. Unsere Geschenke tauschen wir am Morgen des 25. Dezember aus. Bei fast 15 Personen, die wir inzwischen sind, ist es echt interessant wie das abläuft, für Deutsche chaotisch und laut – kennt Ihr den Film „Maria ihm schmeckts nicht“, so in etwa…

So läuft Weihnachten mit meiner Familie in Bulgarien ab. Ich freue mich auf Eure Kommentare, welche Bräuche Eure Familie hat und wie Ihr Weihnachten verbracht habt.

Ich wünsche Euch eine frohe Weihnachtszeit mit vielen tollen Geschenken – bleibt gesund und glücklich!

Tags : EssenHeiligabendTraditionWeihnachten

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